Biologische Station verbessert den Biotopverbund im Rhein-Kreis Neuss
Vergangene Woche pflanzten die Mitarbeiter der Biologischen Station die letzten 53 Obstbäume auf zwei, zusammen 5,7 Hektar großen Obstwiesen. Seit letztem Frühjahr waren verschiedene Maßnahmen, wie die Schaffung artenreichen Grünlandes durch die Einsaat mit regionalem Saatgut und durch Mahdgutübertragung erfolgt. Im Herbst waren insgesamt über 2500 Sträucher und Laubbäume zur Anlage von Hecken und Gebüschgruppen gepflanzt worden. Es folgten die 145 Obstbäume, bei denen regionaltypische und auch seltene Sorten verwendet wurden.

Als Ausgleichsflächen werden die Flächen langfristig extensiv, d.h. naturnah bewirtschaftet. Somit können die beiden großen Obstwiesen wichtige Trittsteinbiotope in einer weitgehend ausgeräumten Agrarlandschaft werden. Artenreichen Grünlandes mit einer Vielfalt verschiedener blühender Kräuter, bildet die Nahrungsgrundlage für blütenbesuchende und andere Insekten. Das Verbot des Einsatzes von Herbiziden und chemischen Mineraldüngern ermöglicht die Entwicklung einer artenreichen Flora und Fauna. Das Nebeneinander von Obstwiese, Hecken und Säumen schafft Lebensräume für Arten mit verschiedenen Ansprüchen. Auf höhlenbewohnende Meisen und Spechte oder auch totholzbesiedelnde Prachtkäfer werden wir noch längere Zeit warten müssen. Da aber die Entwicklung einer artenreichen, blütenreichen Wiese sehr schnell erfolgt, kann mit ersten Erfolgen, z.B. bei den Schmetterlingen, bereits in diesem Jahr gerechnet werden.

Als Trittsteinbiotope bezeichnet man Biotope, die zwar nicht in direktem Kontakt zu anderen Biotopen stehen, aber sich in einer überwindbaren Entfernung zu anderen Biotopflächen befinden. Sie dienen beispielsweise Zugvögeln bei ihren Wanderungen als Ruhe- und Rastorte oder zur Nahrungsaufnahme. Für fliegende Tiere sind natürlich größere Abstände überwindbar als für bodengebundene Tiergruppen, zum Beispiel Laufkäfer oder Grashüpfer. Will man auch für solche Tiergruppen einen funkionierenden Biotopverbund aufbauen, müssen geeignete Flächen in ausreichender Nähe zueinander existieren.

Die Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss e.V. war von IKEA sowie den Stadtwerken Neuss mit der Anlage der beiden Obstwiesen als Ausgleichsflächen beauftragt worden. Beide Auftraggeber sind aufgrund der von ihnen erfolgten „Eingriffe in Natur und Landschaft“ zur Anlage und langfristigen Sicherung dieser Ausgleichsflächen gesetzlich verpflichtet (§15 BNatSchG). Im ersteren Fall handelt es sich um die Verlagerung des IKEA-Standortes in Kaarst. Im zweiten Fall wurde von den Stadtwerken Neuss zwei Windkraftanlagen südlich von Neuss-Hoisten errichtet.

Wer mehr über die praktische Naturschutzarbeit, insbesondere die Schaffung artenreichen Grünlandes durch Mahdgutübertragung erfahren möchte, ist herzlich zu einem Vortrag am 27.01.2018 in der Biologischen Station eingeladen.